Réunion – mittendrin

Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich manches ist. Mauritius und Réunion trennen 200km, der Check-in hat länger gedauert als der eigentliche Flug und doch sind es 2 Welten.

Uns wurde empfohlen, ein Mietwagen zu nehmen. Denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln käme man nicht weit. Ok, haben wir gemacht, auch wenn dies unser Budget ziemlich belastet. Und in der Tat ist es schwierig, die Insel ohne fahrbaren Untersatz zu erkunden. Es gibt Busse selbst bis in die entlegensten Bergwelten, doch ob, wann und wie man hin und vor allem wieder weg kommt, das ist die Frage.

Der Weg vom Flughafen Roland Garros in Saint Denis zu unserem ersten Quartier in Petite Ile führt die Küstenstraße runter. Man merkt eindeutig, wo Réunion zu Hause ist, nämlich in Frankreich. So reicht z. B. mein deutscher Führerschein für die Mietwagenfirma aus.

Creolisches CarrieUnser Gastgeber für die ersten 5 Tage ist Néné, der creolische Bob-Marley-Bär mit Rastamähne. Neben der Reggae-Musik ist der Hang zu selbstgedrehten “Kräuterzigaretten” sicher nicht die einzige Gemeinsamkeit. Néné ist ein begnadeter Koch und unser Willkommens-Essen ist creolisches Carrie, Reis mit einer Sauce aus dicken Bohnen, Zwiebeln, allerlei Gewürzen, dazu Wurst-irgendwas. Gegessen wird von Bananenblättern mit den Fingern. Auch das will gelernt sein….

Am 2ten abend lernen wir Jay und Sonja bei unserem Gastgeber kennen. Es entsteht ein buntes Kauderwelsch aus französisch (was ich nicht spreche), englisch (was Néné nicht vesteht) und deutsch (nur Doro, ich und Jay etwas). Einer ist also immer nur am zuhören, bekommt aber mal eben auf französisch oder englisch übersetzt. So klappt das miteinander echt super und die Multi-Kulti-Combo ist gesetzt. Es gibt Phönix-Bier und Néné gibt selbstgebrannten Litschi-Schnaps zum besten. Mir reichen 2…, seit dem Abend sehe ich deutlich schlechter Smiley , mit dem Zeugs könnte man sicher auch alte Türen abbeizen…Krankes Smiley Ohnehin ist Néné ein total gelöster Typ, den wohl nichts aus der Ruhe bringt.Könnte natürlich auch an den Kräuterzigaretten liegen Zwinkerndes Smiley .

Da wir nun schon 2 mal eingeladen wurden, bieten wir uns an, mal die deutsche Küche nach Réunion zu integrieren. Der allgemeine Wunsch liegt bei Apfelstrudel und Eierpfannkuchen. Boah ey, das ist ja so was von deutsch… Bockwürsten mit Kartoffelsalat oder Rippchen mit Sauerkraut vielleicht, aber ein österreichischer Importartikel…. Na gut, das andere hätte uns auch vor logistische Probleme gestellt, gibt nämlich keine Bockwürste auf Réunion, und Sauerkraut auch nicht.

 

Konzert-MenuLetzter Abend in Petite Ile, wir gehen auf ein Konzert. Eigentlich in eine Pizzeria, wo unser Gastgeber mit seinen Freunden Musik zum besten gibt. Der Stil nennt sich Mayola, Bongos, Trommel und Gayon sind dabei die Hauptinstrumente. Gesungen wird auf creolisch, das ganze klingt nach…, tja, nach was genau, kommt der Musik von Jamaika und dem Karibik-Raum nahe. Wir dürfen am Tisch der Freunde und Familie platznehmen und bekommen dem zur Folge auch das Menü serviert. Schmeckt super, mit einem Kostenfaktor von 15€ pro Person auch nicht ganz preiswert. Das Budget im Hinterkopf wird daher auch die Beilage gnadenlos mitgegessen. 2-3 Getränke dazu, und wir haben 2 Tage Verpflegung in 30 Minuten versenkt. Es wird uns ein “Gesöff” mit dem wohlklingenden Namen Ti-Punch empfohlen. Ich sag nur Finger weg, war der Litschi-Schnaps schon krass, das Zeugs ist nur bähh. Caipi-Glas, Rum unten, Limetten drauf, Rum oben drauf, santé. Achja, unten ist etwas Zucker, damit wirds fast erträglich,…. schön wenn man das merkt, nachdem das Glas fast leer ist Vor Wut kochen

Wir tauschen noch Emailadressen aus und hoffen auf ein Wiedersehen mit dem ein oder anderen. Mal sehen, was draus wird.

Unsere Ausflüge bringen uns auf den Cratére Commerson auf ca. 2.300m, der einen unglaublichen Anblick bietet. Doch das ist nicht alles. Diese wunderbare Stille, kein Verkehr, kein Gewusel, über der Flora-Grenze gelegen gibt es hier nicht mal Vogelgezwitscher. Auch der Wind ist nicht zu hören. Ein guter Ort, um mal ein paar Gedanken zu fassen und der Natur das Feld zu überlassen. Den welche Urgewalt in der Natur steckt, kann man hier ganz deutlich sehen.

Gleiches gilt beim Besuch des Piton de la Fournaise am nächsten Tag, der noch immer aktive Vulkan Réunions, welcher sich alle paar Jahre ins Meer ergießt. Nicht wirklich gefährlich, das Teil, aber eben doch ein Vulkan.

Am 14.07.2013 sind wird dann nach Hell-Bourg umgezogen, ein Bergdorf im Cirque de Salazie, einer der 3 Hochebenen Réunions, ins Gite P’ti  Blanc des “O”. Auch diese Unterkunft ist nicht gerade günstig, mit 40€ die Nacht eigentlich weit über der Schmerzgrenze. Doch es gibt nichts günstigeres, und wir sparen die Differenz zum Budget bei der Verpflegung und sonstiges irgendwie wieder ein. Heute war ne Bergtour dran, Ziel war eigentlich Trou de Fer. Doch wir sind nur bis zum Bélouve gekommen. Zum einen des Wetters wegen (Regen setzt ein), zum anderen ist schon der Aufstieg vom Gite hoch zum Bélouve nichts für uns Flachland-Tiroler. 600hm auf ca. 3 km Wegstrecke, Serpentinen gehen über 30cm breite Trampelpfade steil nach oben. Alles felsig, unbefestigt und teils unwegsam. Halbwegs trainierte schaffen das in 1 1/2 Stunden, wir brauchen 2. Die restlichen 3 km bzw. 3 Stunden Wanderung zum Trou de Fer sparen wir uns heute, auch weil die Verpflegung nicht ausreicht. Apropos Verpflegung: Vermerk an die Küche: Nach Réunion will ich kein Baguette, Käse und Oliven mehr sehen. Das Zeugs hängt mir nach 10 Tagen morgens, mittags und abends echt zum Hals raus. Ist aber so ziemlich das einzige bezahlbare hier. An Salami oder Schinken ist nicht zu denken. Lernt einen den Verzicht, Hauptsache es gibt was zu essen (würg, Montag, 15.07.2013 – 14:49 Ortszeit: Mittagessen = Baguette mit Oliven. Käse ist alle…).

Am 16.07.2013 gehts weiter nach Saint Leu an der Westküste. Dort haben wir eine Unterkunft für 29€ die Nacht gefunden. Doppelzimmer mit geteiltem Bad auf dem Gang, keine Kochgelegenheit, dafür direkt am Strand. Was sagt uns das? Ja, es wird überwiegend Baguette mit Käse geben. Weinendes Smiley  Immerhin kann ich noch zwischen Camenbert und Maasdamer wählen.

Der Weg nach Saint Leu ist nicht wirklich lang und führt über Saint Denis, damit haben wir die Insel 1x umrundet. Zwischendrin ist Einkaufen angesagt. Der Ausfahrt “Centre Commercial” folgend sollte sich was finden lassen. Tut es auch, ein riesiger Carrefour. Wir wissen ja, was wir wollen. Dann die Überraschung, zur Eröffnung eines neuen Supermarktes in Saint Pierre (nur schlappe 60km entfernt) gibt es massenhaft Angebote. Das haben wohl auch alle Réunionesen mitbekommen. Die Schlangen vor den Kassen sind zum abgewöhnen. Die bis 10 Artikel-Kasse scheint unsere Chance, denn mit  Baguette und Käse (wer hätte das gedacht), einer Flasche Rotwein, Packung Kekse, eine Dose Mini-Würstchen, etwas Streich-Thunfisch-Kräuter-sonstwas-Paste und (jetzt kommts) eine Dauersalami (ja) haben wir die kritische Masse nicht erreicht. Trotzdem dauerts ca. 45 Minuten bis zum bezahlen und ich bin sichtlich genervt. Dafür entschädigt ein Mittagessen am Strand von Saint Denis MIT SALAMI etwas.

Himmel über Saint LeuUnsere Unterkunft, das Dodo Spot in Saint Leu, erreichen wir gegen 15.00 Uhr. Wie soll es anders sein, Rezeption nicht besetzt, hätte mir vielleicht was von Nénés Kräuterzigaretten einpacken sollen….Die Zeit verrinnt, und endlich kommt jemand um uns unser Zimmer zu geben. Wurde auch Zeit, denn ich musste schon seit 30 Minuten dringend mal wohin. Gar nicht so einfach locker zu bleiben, wenn öffentliche Toiletten nicht in Reichweite sind. Nach einer kurzen Pause und Runde durch die Stadt eröffnet sich ein atemberaubender Ausblick von der Terrasse auf den Sonnenuntergang.

Gestern gab es einen Strandtag, bzw. war ich in Saint Gilles etwas geocachen. das wars auch schon fast.

Maido - Cirque de MafateMaido - MafateHeute, am 18.07.2013 haben wir den Cirque de Mafate besucht, sind auf den Maido gefahren um dann einen Teil der Strecke direkt am Kraterrand Richtung “Grand Benare” zu laufen. Das Panorama ist unglaublich, manchmal keine 2m vom Abgrund weg geht der Pfad oben auf den Bergen lang. In ca. 2300m Höhe ist die Kondition auch ganz schnell dahin. Auf den Fotos leider nicht gut zu sehen, die Felswand fällt mehrere hundert Meter fast senkrecht ab. Die Wolkendecke endet direkt am Kraterrand. In den Cirque de Mafate führt keine Straße, nur Wanderwege, daher gibt es keine Autos. Die ca. 700 Menschen dort, welche in winzigen Dörfern leben, haben bis vor kurzem weder Strom, fliessendes Wasser oder Telefon besessen, bieten aber Abenteurern Unterkunft und Verpflegung an.

Ursprünglich war geplant, 2 Tage durch den Mafate zu wandern. Zum einen müssen aber die Unterkünfte vorab gemietet werden (in der Hochsaison bis zu 6 Monate), zum anderen ist das einfach zu teuer für uns. Die Kinder dort werden Montags zur Schule und Freitags zurück geflogen, mit dem Helikopter. Lebensmittel und sonstiges wird ebenfalls alles per Hubschrauber eingeflogen. Zu Fuß wäre ein mehrstündiger Marsch notwendig und die Mengen begrenzt. Die Dörfer trennt manchmal nur 300m Luftlinie. Trotzdem ist eine Tour von 1-2 Stunden notwendig, um in dem unwegsamen Gelände die “Nachbarn” zu erreichen, denn eine direkte Verbindung gibt es nicht.

Wir bereiten uns schon langsam wieder auf den Aufbruch vor, denn Samstag morgen müssen wir Richtung Saint Denis, zum Flughafen. Mittags geht die Maschine über Mauritius, Johannesburg und Hong Kong Richtung Bali, Denpasar. Vor dort aus haben wir 4 1/2 Monate in Süd-Ost-Asien vor uns.

Eindrücke von Réunion? Hier ist es ziemlich europäisch. Es gibt so ziemlich alles, was es in Frankreich auch gibt. Nur für astronomische Preise. Warum reiten wir immer auf den Kosten rum? Nun, wer wie wir mit straffem Budget reißt, muß sich hier auf einfache Unterkünfte und Verpflegung beschränken. Nicht mal heisses Wasser für Tee oder Kaffee machen zu können ist schon eine Umstellung. Da bekommt der Begriff “Luxus” eine ganz andere Bedeutung. Kalte Ravioli aus der Dose, abgestaubte Plastikteller und mitgenommene Plastiklöffel von der letzten warmen Mahlzeit vom Straßenimbiss gewinnen mehr und mehr an Gewicht. Aber das ist ja auch irgendwie das gewünschte erleben, mit Bordmitteln das beste draus machen.

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