Mauritius geht zu Ende

Heute ist Sonntag, und die Zeit auf Mauritius geht dem Ende zu. Morgen abend muß schon gepackt werden, denn Dienstag morgen ist der Flug nach Réunion angesagt. Zeit, um mal ein paar Eindrücke wieder zu geben.

Viele denken bei Mauritius an eine Insel von Luxus, Traumurlaub, Puderzuckerstrände und Cocktails am Pool. Ja, das gibt es. Sowohl in Villen direkt am Meer in Cap Malhereux, Mon Choisy oder den Luxus-Hotelanlagen bei Cannonier, Fond du Sac, Lafayette oder Flic en Flaq.

Wir haben uns abseits, ausserhalb von Grand Baie, in einer Privatunterkunft (Petite Florence) einquartiert, ein kleiner Ort namens “The Vale”. Luxus bedeutet hier in einem Haus zu wohnen, was Fenster und ne Haustür hat und ein Auto zu besitzen. Die Menschen “bestaunen” uns wie Ausserirdische. Gestern sind wir mit dem Bus von Vale nach Port Louis, der Hauptstadt Mauritius, gefahren und waren als einzige Weisse im Bus. Da wir kein Auto haben ist Bus fahren so ziemlich das Hauptverkehrsmittel. Bei Preisen von 32 Rupien (ca. 0,75 €) pro Person nach Port Louis auch keine Frage.

Das Leben selbst kann günstig sein. Wir haben mit Blick auf das Budget bisher Restaurants gemieden und statt dessen oft Dhall Puri, Farata, Samossa und ähnliches gegessen, was es für wenige Rupien an den vielen Straßenständen gibt (und nebenbei super lecker schmeckt). Oder eben auf Selbstverpflegung gesetzt,  Brot, Baguette und (nennen wir es) Brötchen waren mangels wirklicher Kochgelegenheit ein Hauptnahrungsmittel, mit Marmelade oder Käse. Salat haben wir auch hin und wieder geschafft. Nur gibt es den nicht überall und wenn die örtlichen, kleinen Läden nichts haben, bleibt entweder der Verzicht oder den Weg in einen größeren Supermarkt logistisch clever planen. Denn nach Vale fahren nur wenige Busse.

Mit den Mauritaniern haben wir bisher durchweg gute Erfahrungen gemacht. Sei es einfach ein kurzer Plausch, der Tipp welcher der richtige Bus ist oder die nötige Haltestelle. Auch wurden wir einfach mal nach Grand Baie mitgenommen, wartend am Bus Stop auf unsere Linie 29. Ein Gang durch den Ort hinterlässt aber trotzdem immer das Gefühl von seltsam anmutenden Paradiesvögeln. Den bis auf unsere Unterkunft am Ortsrand gibt es sonst keine. Und auch das scheint noch nicht bei allen bekannt zu sein, denn der Ausstieg an der Haltestelle lässt einige Bewohner staunen. Oder es kommen sonst keine Touristen hier her. Eine Kneipe oder Restaurant sucht man vergeblich, das örtliche Leben spielt sich in den Straßen und Vorgärten ab, die mitunter wild dahinwuchern. In einem Einkaufsladen gibt es neben Brot, etwas Obst, Getränke und haltbare Lebensmitel ein paar Billard-Tische, wo sich die Dorfjugend die Zeit vertreibt.

Die Bevölkerung ist gerade in den Zentren, welche fast alle an der Küste liegen, vom Tourismus geprägt. “No merci” ist mit an Sicherheit grenzender Warscheinlichkeit das meist gebrauchte Wort-Schnippsel, denn fast alle leben vom Tourismus. Sei es Taxifahrer, Ladenbesitzer, Cafes, Souveniershops etc. Und da das Geschäft derzeit sehr flau (Winterzeit auf Mauritius) ist, hofft man auf die wenigen Besucher. Schlechte Erfahrungen haben wir keine gemacht, wir bleiben freundlich aber bestimmt, dann kommt hin und wieder ein nettes Gespräch bei raus.

Trotz allem haben die Menschen hier eine gute Art, mit den Dingen umzugehen. Hektik gibt es hauptsächlich bei den Busfahrern. Ob das gewollt oder ein Touri-Gag ist, weiss ich noch nicht. Auf der Fahrt nach Port Louis gestern sind wir um 08:57 in den Bus gestiegen. Den nächsten Ort haben wir um 08:58 erreicht. Noch was schneller und wir wären in der Zeit zurück gereist. Das ist mehr als gewöhnungsbedürftigh, den die Busse sind selbst teils in abenteuerlichem Zustand. Die Einstiegstür hat z. B. eine Flieh(g)kraftkupplung eingebaut. Beim Beschleunigen fliegt die zu, beim Bremsen fliegt sie auf. So einfach kann Technik sein. Überfüllt gibt es nicht. Auch bei 64 Seats und 5 Standings gehen mindestens noch 15 weitere Stehplätze….

Was ich von hier mitnehme ist, das es auch mit wenig geht. Hin und wieder den Luxus eines Kuchens, einen Cafe oder Tee in einer kleinen Bar…. Und das ist fast noch mehr als viele Mauritanier haben.. Es wird aus allem was gebaut, vieles selbst hergestellt und irgendwer braucht das Altzeugs sicher noch für irgendwas. Trotzdem liegt viel Müll im Land, den Feldern und Seitenwegen. Viel Plastik wie Flaschen, Eimer etc. Auch wird so mancher Hausrat einfach in die Botanik geworfen. Schade, das trübt etwas das Bild von der lockeren unbeschwerten Art hier.

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Ein Gedanke zu „Mauritius geht zu Ende

  1. Hallo Heyko,

    ich freue mich jedes mal auf den nächsten neuen Bericht von Dir. Es macht mir sehr viel Spaß Eure Eindrücke von Land und Leuten zu lesen. Besonders bin ich schon neugierig auf die Berichte aus La Reunion, da ich die Insel schon selber zwei mal besucht habe. Meine beste Freundin wohnt dort die meiste Zeit des Jahres und betreibt diese Seite: http://www.reunion-urlaub.com
    Mit vielen Tips und Infos über die Insel. Vielleicht ist da auch was für Euch dabei. Auf jeden Fall könnt Ihr Brigitte jederzeit gerne kontaktieren.

    Ich bin gespannt, wie La Reunion Euch gefällt. Ich war damals sehr begeistert.
    Ganz liebe Grüße
    Monika

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