Malaysia – Wir entdecken ein neues Land

Nach unserem Stopp in Singapur reisen wir in Richtung Malaysia ab. Die Fahrt dahin ist ein Klacks, mit dem Stadtbus (ja, dem Stadtbus) geht es über den “causeway” und schon ist man da. Kostet 1,50 S$. Total lustig das ganze, sollte man mal mitgemacht haben: Mit dem Bus zur Grenze Singapurs, raus aus dem Bus, ab durch den Zoll und ausreisen, hinten wieder rein in den Bus. Weiter gehts ca. 1km über den Kanal nach Malaysia. Alle wieder raus aus dem Bus, Einreise und Zoll, rein in den Bus und ab nach Johor Bharu.

Als deutscher Staatsbürger bekommt man auch auf dem Landweg ein 90 Tage on arrival Visa, ohne Gebühren. Respekt.

In Johor Bharu am Busterminal angekommen läuft man uns schon entgegen, um uns in irgend einen Bus zu verfrachten, es geht quirlig zu, lehnen dankend ab, machen es uns erst mal auf einer Bank bequem. Wir haben uns als Ziel für Melakka, ca. 220km nordwestlich entschieden. Das Angebot an Bussen überall hin ist riesig. Angeblich ist Malaysia im Gegensatz zu Indonesien mit einem ausgezeichneten Bus- und Zugnetz gesegnet. Wir kaufen uns was zu trinken, ich schlendere im Terminal umher während Doro aufs Gepäck achtet. Geld tauschen ist kein Problem, der Kurs nicht doll, aber so what, Singapur-Dollars können wir nicht mehr brauchen. Man kann zwar problemlos in S$ bezahlen, jedoch zum unglaublich günstigen Kurs von 1:1, normal ists so um die 1:2,6. Das Busticket kaufen wir abseits der Schlepper, von Johor Bharu nach Melakka sinds 19 Ringgit pro Person (etwa 3,50€), 17 Uhr Abfahrt, wir sind gespannt. Um 16.50 Uhr winkt uns die Ticketfrau zu: Your bus, your bus. Irgendwas ist, dat janze kommt misch doch ned janz koscher vor: Luxus-Liner, nur 3 Sitze je Reihe, Sitzabstand für mich viel zu lang Smiley, Klima funktioniert und punkt 17.00 Uhr gehts los. Achso, wir sind nur 10 Leute im Bus statt der befürchteten 100. Wo ist der Haken? Kurz gesagt, es gibt keinen. Wir kommen nach 2 1/2 Stunden statt der angepriesenen 3etwas an. Die Landschaft ist super, die Straßen sind in bestem Zustand, kein Müll überall.

Am Busterminal von Melakka schauen wir uns nach einer Möglichkeit um, in die Stadt zu kommen. Da wir unseren Indonesien-Guide bei Ali’s Nest in Singapur gegen einen Malaysia-Guide tauschen konnten, haben wir ein paar Unterkünfte rausgesucht. Wie soll es anders sein, wir werden abgefangen. In reinstem Oxford-Englisch macht man uns das “HomeSweetHome” schmackhaft, für 40 RM (um die 9,50€) die Nacht, Doppelzimmer, geteiltes Bad, Klimaanlage, Frühstück, Fahrservice. OK, anschauen kostet nix, und wir wären direkt in der Stadt, falls die Bude doch nichts ist.

Das HSH ist das frühere Sunny’s Inn, welches noch in unserem Führer erwähnt wird. Home-Stays wechseln hier genauso oft die Besitzer wie wir Unterwäsche (und das ist nicht mehr ganz so häufig wie früher Smiley ). Das Zimmer ist einfach, aber soweit ok, wir entscheiden uns zu bleiben, erst mal für 2 Tage. Furchtbar ist die Matratze, zumindest wenn man das so nennen kann, weich wie Watte, wir liegen quasi in einer großen Kuhle, die Kopfkissen dafür hart wie Beton. Rückenschmerzen und Nackensteif vorprogrammiert, was fürn Glück ist unser Host gelernter Orthopäde. Wie das zusammen hängt klären wir auch in den Folgetagen nicht, ist aber auch wurst.

Melakka ist kulturell ansprechend, hat viel Geschichte, Museen, Kirchen, Moscheen etc, und eine Monster-Mega-Mall, es ist sauber, kein wahnsinniger Verkehr und es geht gelassen zu. Melaka_Tourist_Attraction_MapP1010608P1010640P1010646

Wir erkunden die Stadt, welche fußläufig erreichbar ist, werfen einen Blick in das National-Museum, essen in diesen und jenem Food-Court malaysische Küche. Etwas besonderes ist für mich der Milch-Tee hier, kräftiger schwarzer Tee mit Milch und Zucker, schmeckt völlig anders als bei uns, keine Ahnung obs an der Zubereitung, den Zutaten oder der Qualität des Tees liegt.

Das HomeSweetHome sollte im Endeffekt für 4 Tage unser Zu Hause sein. Das Wetter ist so unbarmherzig heiss und schwül, man hält es nicht lange draussen aus. Jede Gelegenheit, in ein klimatisiertes Gebäude zu gehen wird von uns wahrgenommen. Die Mega-Mall bietet die Möglichkeit, von Home-Stay ins Zentrum zu kommen, das nutzen wir auch immer häufiger.

 

Melakka ist eine alte P1010636P1010653P1010664P1010682holländische Kolonie, unverkennbar wurde hier der Fußabdruck hinterlassen. So gibt es heute noch die Stadthues, alte Kolonialgebäude, welche zum Handel und Wohnen genutzt wurde, christliche Kirchen und eine alte Befestigungsanlage. Malaysia ist trotz der kulturellen und religiösen Mischung überwiegend muslimisch und streng dem Islam zugewandt, daneben gibt es viele Chinesen. Vieles wird nur mit der rechten Hand gemacht, Begrüßung, reichen und annehmen von Geld, Speisen etc, in vielen Restaurants wird zudem mit den Fingern gegessen, und zwar ausnahmslos mit der rechten, da die linke Hand als unrein gilt, googelt selbst warum Smiley  . Frauen haben lange Beinkleidung zu tragen und Oberteile zumindest bis zum Ellebogen, kurz oder sogar Tops gehen eigentlich gar nicht. Es gibt keinen Alkohol und vieles ist den Männern vorbehalten.

Um so erstaunlicher ist es, das oft genug direkt neben einem malaysischen Restaurant der China-Laden Bier verkauft. Die bunte Mischung daraus machts. Man muß lernen, wo was geht und was hier und da zu beachten ist.

Nach 4 Tagen in Melakka führen uns unsere Pläne in den Norden von Malaysia, Richtung Kota Bharu. Wir wollen auf die Perhentian Islands, eine kleine Inselgruppe kurz vor Thailand. Die Strecke von ca. 650km ist mit dem Interstate-Bus in 9 Stunden zu machen. Allerdings ist auf Grund von einem Nationalfeiertag alles ausgebucht, um den 25 September ist wieder was frei. Wir wollen trotzdem schon mal hier in die Nähe, denn auch die Cameron Highlands und der Taman Negara-National-Park sind leicht von Kota Bharu aus zu erreichen. Evtl. fahren wir auch vorher nochmal nach Kuala Lumpur runter, sofern meine Papiere zwischenzeitlich dort eintreffen.

Wir bekommen ein Bus-Ticket für den Samstag-Nacht-Bus, Abfahrt 20.00 Uhr. Wir schlagen die Zeit vom Auschecken bis zur Abfahrt mit Kino, bummeln und lesen tot. Es wird eine Fahrt der Nerven. Der Bus ist eigentlich recht luxuriös, doch wieder asiatischer Sitzabstand, dafür nicht gnadenlos überfüllt, und pünktlich. Bis dahin alles gut. Noch auf dem Busterminal machts knall zisch peng, garantiert ein Reifenschaden. 500m weiter checkt die Busbesatzung was da los ist, 3/4 Stunde warten dann das Ergebnis: Klimaanlagenschaden. Es geht weiter für ca. 3km. Nächster Stopp, ca. 1 Stunde warten, Reparaturversuch scheitert, kein Ersatzbus verfügbar, also Weiterfahrt. Die Luft ist zum schneiden (es regnet) ca. 30° warm und feucht wie ein nasser Lappen. Nach ca. 4 Stunden kommen wir in Kuala Lumpur zum ersten Zwischenstopp an, der Bus ist dann voll besetzt, einige ohne Ticket dürfen nicht einsteigen, das war in Indonesien ganz anders, da hätten noch locker 30 Leute im Bus stehen dürfen/müssen.

Wir kommen noch ganze 40km weit, dann erneut Zwangsstopp. Jetzt hält uns der sich bereits angekündigte Reifenschaden für 2 1/2 Stunden auf dem Seitenstreifen fest, bevor es mit neuem Schlappen ca. 1km weiter auf eine Raststätte geht. Anscheinend wurde doch irgendwie ein Ersatzbus gefunden, wir warten 1 1/2 Stunden, bevor dieser eintrifft. Jetzt schlägt unsere Stunde und während ich mich um das Gepäck kümmere schlängelt sich Doro elegant und geschmeidig wie eine Katze in den Bus, erste Reihe, Treffer, versenkt. Die erste Sitzreihe hat nämlich deutlich mehr Platz, und ich zusätzlich die Gelegenheit meine Stelzen in den Mittelgang Richtung Fahrer zu strecken. Auch kann ich endlich die Rückenlehne nach hinten klappen, ohne die Leute hinter mir in deren Sitz zu quetschen. Um 4 Uhr (eigentliche Ankunft in Kota Bharu wäre 5.00 Uhr gewesen Trauriges Smiley) geht es auf die Piste zurück. Wir packen unsere Schlafsack-Inlets aus und machen es uns auf dem Sitz so bequem wie möglich, es reicht für ein paar Stunden schlaf, auch wenn es die Fahrer meinen, jetzt wohl was gut machen zu müssen und den Bus auf gefühlte 5°- runterkühlen. Wir erreichen das Busterminal um 13.00 Uhr Mittags, sind also nur 17 Stunden unterwegs gewesen.

Was für ein Glück ist eins unserer vorgefühlten HomeStays nur 100m vom Busterminal. Altbekanntes Muster, rein, fragen, anschauen, touchdown. Die KB Backpacker-Lodge ist soweit ok, einfaches Zimmer mit eigenem Bad für 55 RM die Nacht. Die Inhaber kennen sich sehr gut aus und somit erfüllt sich unser Wunsch, auf die Perhentian Islands zu fahren doch noch. Es gibt nämlich unzählige Unterkünfte auf den Inseln, die nirgendwo verzeichnet sind, da wird sich sicher ein Plätzchen finden lassen. Kota Bharu erkunden wir am Nachmittag und abend, es gibt auch hier so manches zu sehen, allerdings muß man wissen, das hier der Islam quasi seine konservative Zentrale hat. Alles ist deutlich strenger als in anderen Teilen des Landes. Da wir uns danach richten, tut mir Doro oft leid = lange Kleidung. Ich darf toleranter Weise in Kurzen Hosen und Shirt oder Hemd, für die Moschee wäre aber auch für mich lange Kleidung Pflicht. Auf Grund des Feiertags in Malaysia ist es uns aber nicht möglich, die nötige Erlaubnis beim islamischen Kultur-Zentrum für den Moschee-Besuch zu bekommen. Dieses hat heute leider geschlossen.

Wir bereiten uns somit quasi auf unsere Abreise nach Kota Besut vor, dem Fährterminal nach Perhentian Island. Da wir im Homestay die Möglichkeit haben, heisses Wasser zu ziehen sowie einen Toaster zu benutzen, gibt es ein Mini-Picknick im ZimmerP1010720P1010721P1010723 mit Toast, BBQ-Käse, Yoghurt und Obst. Heute abend gehen wir noch mal auf den Food-Night-Market, denn essen gehen ist fast günstiger als was kaufen, zudem können wir ja auch nichts mitnehmen.

Morgen in aller Frühe gehts zum Bus und dann Richtung Fähre. Wir freuen uns auf ein paar Tage Strand, angeblich sind die Perhentian Islands ein absolutes Muß für jeden Malaysia-Tourist. Es soll wohl auch ruhigere Strände geben, wo nicht die Massen ihren Einzug halten. Wir werden sehen, hoffen und vertrauen auf die Erfahrung und Infos unseres Hosts.

 

to be continued….

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