letzte Tage in Indonesien

nach dem Konzert und dem Abarbeiten der To-Do-Liste sind wir mit dem Zug von Jakarta nach Merak im Nordwesten von Java gefahren. Wir brauchen mal dringend eine Pause vom Reisen, denn jeden Tag eine neue Station mit Anreise, Unterkunft suchen, zurecht finden, Essen organisieren, viel trinken nicht vergessen laugt auf Dauer aus. Zudem müssen die Eindrücke verarbeitet werden und dafür war es dringend Zeit. Es galt den Akku wieder aufzuladen, den im Anschluss sollte es nach Sumatra gehen, dort ist der öffentliche Transport noch deutlich dünner als in Java. 3 nicht verbundene Eisenbahnlinien, der legendäre Trans-Sumatra-Highway von Nord nach Süd (buckelige Lehm-Schotter-Asphalt-Piste) und lokale Busse standen zu Auswahl.

Angekommen in Merak sind wir in einem örtlichen Hotel günstig untergekommen. Am nächsten Morgen konnte es dann nach Carita ca. 60 km südlich gehen. Der Touri-Ort ist die Woche über recht verschlafen, am Wochenende strömen dann die Massen an die dortigen Strände. Wir bleiben nur von Dienstag bis Samstag, ätsch… Im Home Stay Rakata steigen wir nach längerer Suche ab, lernen dort Madelaine und Christophe aus Frankreich kennen, so ein Zufall, auch auf Weltreise. Wir machen uns über Sumatra schlau und fassen einen Entschluss: gestrichen aus 2 Gründen. Zum einen haben wir nur noch ca. 10 Tage Aufenthaltserlaubnis in Indonesien. Um von Nord nach Süd zu kommen reicht das zwar, aber das wäre ICE-Tempo. Um die geplanten Punkte abzufahren ist es evtl, was knapp mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir müssen von Lampung im Süden über Padang in der Mitte, den Toba-See halboben Richtung Medan, um von dort nach Malaysia über zu setzen. Zu den bescheidenen Transportmöglichkeiten kommt als 2tes, dass der Fährbetrieb zwischen Indonesien und Malaysia wegen den Billigfluglinien eingestellt. Allerdings sind einige schneller verschwunden als aufgetaucht (und so mancher Passagier dazu), das machts nicht einfacher. Wir bräuchten also einen Flug, wollen wir aber nicht.

Also wird umgeplant. Wir mussten wegen dem Visa einen Flug aus Indonesien heraus buchen (Singapur war das günstigste, der sollte ursprünglich eh verfallen). Der liegt aber irgendwann Mitte September. Wir fahren also nach Jakarta zurück, um bei Air-Asia im örtlichen Office die Umdatierung zu erfragen. Vorab haben wir uns diesmal um eine Unterkunft bemüht und steigen bei Envy’s Benhil Guest House ab. Ein Neubau inmitten einem Kampung, kaum zu glauben, mit Dachterrasse und separatem Badezimmer (was sich noch als Glücksfall rausstellen sollte), Küchenmitbenutzung und so manch anderem Komfort. Da lässt es sich verschmerzen, das in der ersten Nacht die Klima nicht ging, wir dafür fast ein Trauriges Smiley. Preislich deutlich besser als die Bude beim Konzert und günstiger gelegen.

An Jakarta hat sich seit dem letzten mal nichts geändert: laut, hektisch, Verkehrsstau. Wir machen uns am Sonntag auf den Weg zu Air-Asia, können auch umbuchen. Natürlich gegen saftige Strafgebühr und Zahlung der Ticketdifferenz. Soweit so gut, war ja bekannt und ist immer noch günstiger als ein neuer Flug. Was man uns wohl vergessen hat zu sagen ist, das die Gepäckgebühr rausgefallen ist. Das merken wir 4 Tage später am Flughafen (später mehr), denn wir haben uns für den Donnerstag statt Dienstag als Abflugtag entschieden. Was fürn Glück!!!

Ein Tag in Jakarta macht einen fertig und nach dem Abendsnack gehts zurück in die Unterkunft. Die Nacht von Sonntag auf Montag hat es definitiv auf meine persönliche best-of-ten geschafft. Keine Ahnung wo, aber ich habe mir dermaßen einen Magen-Darm-Virus eingefangen, die Ausmaße sind, naja, gelinde gesagt: beschissen… Von 2 Uhr in der früh bis Montag abend bin ich quasi Dauergast auf der Toilette und darf jedesmal neu entscheiden: erst hinknien oder erst hocken?? Mehr ist bis Dienstag eigentlich nicht passiert, den Doro hat mich gepflegt, konnte nicht mal einen Keks kauen so feddisch war ich. Ein Hoch auf die moderne Medizin, den Dienstag morgen war ich unter Einsatz von Buscopan und Immodium wieder fast an Deck. Im Flieger wollte ich aber trotzdem nicht sitzen….

Wir gönnen uns noch 2 Tage Jakarta und geben uns neben einer Mall den lt. Reiseführer malerischen alten Hafen. Wo dieses stinkende, vermüllte Loch malerisch sein soll, möchte ich mal wissen. Das alte Kampung in dem wir uns verirren, war daran noch fast das beste. Auch wenn wir dachten, da nie wieder raus zu kommen oder plötzlich in irgendjemand seinem Wohnzimmer zu stehen… Tag 2 ist nach dem Frühstück noch so dies und das und dann das Monas, das National Monument in Jakarta dran. Im angrenzenden Park lässt es sich abseits des wahnsinnigen Straßenverkehrs und auch Lärms mal etwas aushalten.

Donnerstag ist Abflug und ausser der Erkenntnis, das neben einer Flughafengebühr auch noch Unsummen für (angeblich) nicht gebuchtes Gepäck bezahlt werden müssen zeigt, das Ryanair es auch nach Asien geschafft hat (oder zumindest die Ideen). Eine Diskussion mit dem Bodenpersonal sparen wir uns, auch wenn wir ganz ganz sicher sind, ursprünglich Gepäck zwingend dazugebucht zu haben.

 

Damit endet unser Aufenthalt in Indonesien und wir freuen uns auf ein paar Tage Singapur. Allerdings ist es deprimierend, das in Sachen Umweltschutz leider mehr als nur Nachholbedarf besteht. Was man dem Land, der Umwelt und dem Meer damit antut, ist den allermeisten Indonesen nicht bewusst. Es ist bedauerlich, dass anscheinend kein know-how oder auch Interesse besteht, daran etwas zu ändern. Äusserst positiv sind uns jedoch die Freundlichkeit und Offenheit aufgefallen. Gelegentlich (je nach Tagesform) konnte dem “Hey Mister, whats your name” nicht immer die gleiche Begeisterung entgegengebracht werden und auf geschätzt 5.000 Fotos sind wir jetzt auch, das trübt aber nicht den absolut positiven Eindruck der Menschen dort.

2 Gedanken zu „letzte Tage in Indonesien

  1. Toller Reisebericht! Ich bin darüber gestolpert und konnte nicht aufhören zu lesen. Es ist, wie Ihr richtig beobachtet, sehr bedauerlich, dass Indonesien ziemlich vermüllt ist. Ihr habt nicht auf die einfache Tour, Indonesien kennengelernt, aber dafür hat man genau gesehen, wie das Leben dort ist. Der einzige „Fehler“, den Ihr gemacht habt, war, dass Ihr mit Bali angefangen habt. Bali ist auch nicht 100 %ig frei vom Müll, aber man hat dort erkannt, dass die Touristen die Sauberkeit hochschätzen. Man gibt auf Bali schon mehr Acht, dass Müll nicht so offensichtlich neben einer Sehenswürdigkeit/Haltestelle in großen Mengen rumliegt 😉

    Als Touristen bekommt man leider auch den Touristenpreis in Indonesien. Da kann man fast nichts dagegen tun. Ich muss auch jedesmal als ein Ex-Indonesier zähneknirschend akzeptieren, dass ich schon wieder für Dienstleistungen/Waren dort zu viel bezahlt habe. Als kleinen Trost kann ich nur erwähnen, dass die Leute aus Jakarta oft in Mitte-/Ost-Java auch zuviel bezahlen, weil sie die Preise außerhalb von Jakarta nicht kennen 😉

    Für einfache Indonesier sind alle Europäer reich. Klar, wenn wir sagen, was wir hier in Europa verdienen und das in Rupiah umgerechnet wird, flippen die Indonesier sofort aus. Dass die Unterhaltskosten in Europa viel mehr sind als in Indonesien wissen sie nicht. Für viele Indonesier (die überwiegend kein Bankkonto haben) gilt die Argumentation, „sorry, ich habe kein Geld“ deshalb in der Regel nicht. Häufig kommt solche Antwort wie, „geh doch zur Bank, da kriegst Du Geld“ 😕

    Ich habe bei meinem letzten Aufenthalt festgestellt, dass indonesisches Essen und Bir Bintang Revolte in meinen Magen provoziert haben. Ich weiß nicht, ob es an Alkohol oder Hefe lag, die Kombination ist aber eine Garantie für Verdauungsprobleme 🙁 Ich denke, man muss sein Bierkonsum in Indonesien stark einschränken.

    Achso Puri bedeutet übrigens Schlößchen. Viel Spaß weiterhin auf Eurer Weltreise 🙂

  2. Hallo Ihr beiden,
    habe heute erstmals Zeit gefunden nach Euch zu blätter.
    Ich hoffe es geht Euch gut, nach den Bildern scheint es so zu sein. Zwischendurch braucht man unbedingt einige ruhige Tage, sonst kann man das gar nicht so genießen. Ging mir früher auch mal so.
    Wünsche Euch alles Gute auf der Weiterreise.
    Liebe Grüße von Lars…bei der Arbeit.

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