Great Walk – Milford Sound – 53,5km pure Adventure

Great WalksDer Milford-Sound-Walk, das sind 53,5km Wandern auf einem Gebirgspfad mit Passüberquerung und Weg zum Endpunkt, dem Milford Sound.

Milford TrackMilford Track-1

Nachdem alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen waren, sind wir bereits am 17.01.2014 nach Te Anau gefahren, die 220km von Queenstown wollen wir uns am 18.01.2014, dem ersten Wandertag, nicht noch zusätzlich antun. Wir sind im Kiwi Holiday Park abgestiegen, der Milford Sound Departure-Point liegt ca. 27km entfernt, in Te Anau Down. Dort werden wir auch unser Auto abstellen.

Es war eine Tour der kleinen Pleiten, Pech und Pannen … –Trauriges Smiley, aber auch so fett, wahnsinn. Als erstes hatten wir uns im DoC, der Touri-Info und in Te Anau erkundigt, ob die Schlaf-Hütten beheizt sind. Die Antwort war jedesmal ja, wir hatten also nur dünne Schlafsack-Inlets dabei. Es sollte anders kommen… Dann haben wir fast vergessen, unser Voucher gegen die Tickets einzutauschen, das ist uns dann am 18.01. morgens eingefallen. Wir sind nach Aufsprung aus den Betten um 08.00 Uhr, vor dem Frühstück und Auschecken, erst mal zum DoC in Te Anau gefahren um diese Kleinigkeit zu erledigen.

Neuseeland_Milford-Sound_Tag-1_003Dann die Rucksäcke umpacken, alles was nicht benötigt wird, bleibt im Auto (Laptop und Papiere habe ich in Queenstown im Hotelsafe gelassen). Verpflegung für 4 Tage, Klamotten zum Wechseln, dies und das, das macht ca. 15kg Gepäck , ächts Trauriges Smiley . Also auf gehts nach Te Anau Down, zum 14.00 Uhr Boot in den Sound (so dachten wir), waren aber schon um 12.45 Uhr da, wie einige andere auch. Zeit genug für ein spätes Frühstück. Und während wir so essen legt ein Boot an. Wird der Ausflugsdampfer für das ältere Semester sein (so dachten wir). Pünktlich um 13.00 Uhr legt das Boot auch ab und die EIngebung des Tages war: Schaut auf die Tickets!! Aaaahhhhh, 13.00 Uhr, nicht 14.00. Wir haben uns vertan, Beine in die Hand, ab an den Jetty, pfeiffen, rufen, winken. Die MÜSSEN zurück kommen. Thorsten noch mit Pumpernickel im Mund spuckt braune Krümel, aber es klappt, der Kahn dreht um und nimmt uns noch mit. Natürlich sind wir die Deppen vom Dienst, egal, wenigstens was zu erzählen Zwinkerndes Smiley .

Die 1 1/4 Stunde mit dem Boot zum Einstieg in den Walk sind schon super, was für eine Landschaft. Am ersten Tag haben wir nur ca. 5,5km vor uns. Sollen wohl geschont werden, is mir recht Smiley Neuseeland_Milford-Sound_Tag-1_004und dann gehts auch schon los.Neuseeland_Milford-Sound_Tag-1_012Neuseeland_Milford-Sound_Tag-1_014Neuseeland_Milford-Sound_Tag-1_017Neuseeland_Milford-Sound_Tag-1_018Neuseeland_Milford-Sound_Tag-1_021Tag 1:  Erstes Ziel, Clinton Hut, ha, kein Problem. An der Hütte angekommen die nächste Überraschung. Schlafgemach beziehen im 20er Schlafsaal. Beheizt? Öööhm, ne, nicht wirklich, und es ist lt. dem Ranger ein ziemlich kühler Sommer in Neuseeland, Nachts so um die 4-9 Grad im Augenblick. Na prima, das wird noch lustig. Wir machen uns was zu essen, meine erste Outdoor-Essensration. Habe für alle Tage das gleiche gekauft, roasted chicken, war am billigsten. Wird nur mit heissem Wasser in der Tüte aufgegossen, 10 Minuten stehen lassen, fertig ist das 3-Sterne-Menu. Schmeckt nicht schlecht, bisschen viel Glutamat für meinen Gaumen, aber das Zeugs soll nicht schmecken, es soll satt machen und Kalorien liefern. Neuseeland_Milford-Sound_Thorsten_Tag-1_001Neuseeland_Milford-Sound_Thorsten_Tag-1_002

Die Nacht ist anstrengend, ich liege im Schlafsaal und versuche mich irgendwie warm zu halten, klappt auch einigermaßen mit Jacken und Hosen an. Aber es gibt auch so manchen Schnarcher, das macht so ein Schlafbunk zum Horror. Ein Hoch auf meine Ohrpömpel, die retten mir echt den Hintern, denn frieren und nicht einschlafen können, das wäre ein langer Walk geworden. Thorsten zieht in den Gemeinschaftsraum aus, schläft auf der Bank.

 

 

 

 

Tag 2: Wir stehen zeitig auf, 07:30 Uhr ist Abmarsch, denn zum einen sind ca. 16km abzuspulen, zum anderen regnet es wie aus Eimern, das machts nicht wirklich angenehm. Zum Glück habe ich ausser Fleece- und Softshell-Jacke noch die Regenjacke eingepackt, geholfen hats nur kurz Smiley . Bei diesem Wetter tritt der Clinton-River gerne mal über die Ufer, teils so heftig, dass der Track unpassierbar ist. Sollte das der Fall sein wird auch schon mal ein Tag länger auf der Hütte verbracht und die nächste Gruppe zurück gehalten. Der Ranger prüft morgens den Wasserstand und gibt dann Info an alle raus. Haben wir nicht (mehr) mitbekommen. Nach ca. 5km dann die erste Hürde, der Pfad steht unter Wasser, zu hoch für die Wanderschuhe. Vermutlich wussten die anderen davon und da auch Kinder mit dabei sind, war die Vermutung das verschoben wird und wir die einzigen auf dem Track sind. Also kurzes brainstorming, zurück ist keine Option: Alternative: Schuhe und Socken aus und durch, wäre doch gelacht, zumal ich pünktlich zurück sein muß wegen meinem Flug nach Auckland.

Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_018Das Wasser ist eiskalt, ca. 10°, wenn überhaupt und nach ca. 50m sind wir wieder auf dem Trockenen, kostenlose Kneippkur sozusagen, cool. 500m nach der nächsten Biegung: Gleiches Problem, Wasser kniehoch, gleiche Lösung. Das wiederholt sich noch 2 mal, inzwischen sind wir nass bis auf die Knochen und auch die Schuhe samt Socken durch. Dann holt uns ein wiener Pärchen ein, alle sind unterwegs… auch gut. Um es kurz zu machen, nach dem 4ten mal schlappt einer an uns vorbei, mit Schuhen durchs Wasser und wir folgen. Ist jetzt eh egal, denn die Brühe steht in den Schuhen. Thorsten und ich geben etwas Gas, denn je früher an der Hütte, desto länger können die Klamotten trocknen. Ein Vorteil des Wetters ist: Die unglaubliche Anzahl von Wasserfällen. Das Tal durch welches wir wandern besteht quasi nur aus Fällen. Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_057Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_056

 

 

Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_021Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_005Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_014Wir Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_009erreichen Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_010die Mintaro Hut gegen 14.00 Uhr auf 600m Höhe, komplett durchgeweicht und durchgefroren. Mit dem Bollerofen (den natürlich wer anzündet, Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_076Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_035jawoll, die Deppen-Deutschen Smiley ) wirds einigermaßen warm, allerdings mal wieder nicht im Schlafsaal. So nach und nach trudeln die anderen Wanderer ein und erfreuen sich einer warmen Hütte. Nach dem Mittagessen versuchen wir alle irgendwie die völlig durchgeweichten Rucksäcke, Schuhe, Klamotten etc trocken zu bekommen. Es scheint ein hoffnungsloses unterfangen zu sein.

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Die Rangerin verbietet uns, die Nacht über Feuer zu machen, wäre nicht drin im Preis. Irgendwie komme ich mir etwas veräppelt vor. Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_036Neuseeland_Milford-Sound_Tag-2_043Ich schaffe es irgendwie ein paar Stunden trotz Eisseskälte zu schlafen, Thorsten macht die Nacht fast durch, zum 2ten mal. Die Nerven werden dünner und einige sind bereits jetzt ganz schön platt. Auch die Kidds, am ersten abend noch voller Abenteuerlist das Camp unsicher gemacht, sind deutlich ruhiger geworden Smiley.Neuseeland_Milford-Sound_Thorsten_Tag-2_001

 

 

 

 

 

Tag-3: Das Wetter ist bombe, sonnig und klar. Dafür auch kalt. Auch heute starten wir früh, 06:30 Uhr sind wir auf der Bahn, wir wollen den Sonnenaufgang in den Bergen sehen, denn heute ist der Mackinnen-Pass zu überqueren. Das heisst: 500 Höhenmeter rauf und auf der anderen Seite ca. 1.000 Höhenmeter runter, mit nassen Schuhen, denn die sind in der kurzen Zeit nicht trocken zu bekommen. Das zerrt an den Kräften, denn runter ist mindestens genau so anstrengend wie rauf und birgt zudem noch die Gefahr von Blasen groß wie Spiegeleier. Die Beine haben ordentlich zu ackern, und das ganze mit ca. 13kg auf dem Rücken. Wir werden dafür mit einer traumhaften Aussicht, Bildern und Eindrücken belohnt. Die 14,xx km heute sind jeden Meter wert. Farben und Licht ergeben ein unglaubliches Spiel. Das kann man nicht beschreiben, das muß man erleben.

Oben auf dem Pass in 1.154m Höhe haben wir eine fantastische Sicht in den Sound. Der Aufstieg war schon hart, runter wird härter. Wir werden belohnt mit Wasserfällen und einer Landschaft, die seines gleichen sucht. Ich lasse es mal so stehen, den Rest müssen die Bilder machen. Zu erwähnen wäre noch der Sutherland Fall, der höchste Wasserfall Neuseelands mit 580m Höhe. Das Ding ist beeindruckend. Angeblich soll man hinter die Wasserwand kommen, Thorsten hats versucht, aber vergeblich. Keine Chance, zu viel Wasser und zu viel Wind.

Wir erreichen unser Tagesziel, die Dumpling Hut, wieder gegen 14.00 Uhr. Das frühe aufstehen und loslaufen hat seine Vorteile. Weil das Wetter schön warm ist, können wir unsere Sachen trocknen  und zwischenzeitlich im “swimming hole” ein Bad nehmen, wer will. Ich nicht, denn 10° Wasser sind mir zu kalt, aber gewaschen wird sich ausgiebig.

Die Hoffnung auf eine einigermaßen warme Nacht vergeht schnell als die Sonne weg ist. Es wird bitter kalt im Tal. Diesmal bin ich es, der nicht schlafen kann und ziehe um 03.00 Uhr morgens aus dem Schlafsall in den Gemeinschaftsraum, saukalt…. Thorsten schläft diesmal, das hat er sich auch verdient. Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_001Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_005Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_006Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_007Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_009Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_013Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_015Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_018Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_023Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_026Neuseeland_Milford-Sound_Tag-3_027Neuseeland_Milford-Sound_Thorsten_Tag-3_001Neuseeland_Milford-Sound_Thorsten_Tag-3_002Neuseeland_Milford-Sound_Thorsten_Tag-3_003Neuseeland_Milford-Sound_Thorsten_Tag-3_004Neuseeland_Milford-Sound_Thorsten_Tag-3_005Neuseeland_Milford-Sound_Thorsten_Tag-3_006

 

 

 

 

 

 

Tag-4: Ich habe nur ein paar Stunden schlaf, trotz der anstrengenden Etappe vom Vortag ,und man glaubt es kaum, wir wollen ja wieder früh los. Zum einen sind ca. 19km bis zum Ausgang, den Sandfly-Point, hinter uns zu bringen. Dort nimmt uns das Boot um 14.00 Uhr (diesmal wirklich Smiley ) auf, welches uns zum Anleger bringt. Von dort aus geht es mit dem Bus zurück nach Te Anau Down. Zum anderen bietet sich erneut das Licht- und Farbenspiel, wenn die Sonne das Tal erhellt. Es ist eine recht “unspektakuläre” Wanderung mit nur ca. 150Höhenmeter über die gesamte Distanz. Aber dafür gibt es jede Menge Pflanzen, Seen, Blumen und sonstiges zu sehen.

Die 19km tun mir schon was weh, denn nach 3 Tagen doch recht anspruchsvollem Wandern mit Quasi-Schwimmeinlage und der letzten schlaflosen Nacht bin ich etwas mitgenommen. Wir erreichen den Ausgangspunkt um 11.30 Uhr und zum Glück gibt es eine Hütte. Denn der Name ist Programm, Sandfliegen, Millionen davon. Schon im Track hatten wir zu kämpfen und Thorsten hats böse erwischt. Gegen die Viecher ist kein Spray gewachsen und auch das “Bushman” hilft nur kurz bis gar nicht. Nach und nach trudeln die anderen ein und alle sind froh, endlich am Bootsanleger angekommen zu sein. Der Track hat uns allen so manches abverlangt, nur der Lange ist immer noch in Nehmerlaune und würde wohl am liebsten wieder zurück laufen Smiley .

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Das wars dann für uns beide. Absolut großartiges Erlebnis.

Wir werden am Auto abgesetzt, es ist auch noch da und nicht mal geknackt, machen uns auf den Weg zurück nach Queenstown. Die 2 Stunden fühlen sich an wie 5 und ich bin froh im Hotel angekommen zu sein. Endlich mal ne heisse Dusche, und Haare waschen nach 4 Tagen.

Abendessen gibt es beim Fergburger, DIE Burgerbude in Queenstown, ordentliche Lappen Fleisch auf dem Brötchen und ne große Tüte Fritten dazu. So muß es sein, denn ich kann das Glutamat in Tüten nicht mehr ab. Der Lange gönnt sich 2, hat wohl irgendwie HungerSmiley . Dann ab ins Bett, ich bin total im Sack, den heute, am 22.01.2014 geht mein Flieger morgens zurück nach Auckland. Am nächsten Tag ist dann für mich auch schon wieder Neuseeland vorbei, ich fliege weiter nach Südamerika, nach Santiago de Chile. Schade, Neuseeland war von der Gegend her bisher der absolute Top-Spot. Nie zuvor habe ich so eine traumhafte Landschaft gesehen und das ich unverhofft Besuch bekommen habe hat das ganze nochmal deutlich aufgewertet.

Byebye New Zealand, but i’ll be back, denn es gibt noch mehr Great Walks…..

2 Gedanken zu „Great Walk – Milford Sound – 53,5km pure Adventure

  1. Ja, die Bilder sehen herrlich aus. Aber mal ehrlich Lars, der Rest klingt schon nach harter Prüfung. Das liest sich besser vom heimischen Sofa mit einem Glühwein in der Hand:)

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